nutzen


nutzen

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nut|zen ['nʊts̮n̩] (bes. nordd.), nüt|zen ['nʏts̮n̩] (bes. südd.):
1. <tr.; hat eine bestehende Möglichkeit, eine Gelegenheit ausnutzen, sie sich zunutze machen; aus einer gegebenen Situation Vorteil ziehen:
in diesem Gebiet nutzt/nützt man die Wasserkraft der großen Flüsse [zur Stromerzeugung]; er nutzt/nützt jede Gelegenheit, Geld zu verdienen; wir müssen die Zeit gut nutzen/nützen.
Syn.: ausnützen (bes. südd.), verwerten.
2. <itr.; hat bei etwas von Nutzen sein; für das Erreichen eines Zieles geeignet sein:
ihre Erfahrungen nützen ihr sehr viel; alle seine Bemühungen nutzen nichts, wenn beim andern der gute Wille fehlt.
Syn.: fruchten, helfen.
 
• nutzen/benutzen
Sowohl nutzen als auch benutzen kann bedeuten: für einen bestimmten Zweck gebrauchen, verwenden. In vielen Fällen können in dieser Bedeutung beide Wörter verwendet werden:
– Für ihre Recherchen nutzt/benutzt sie regelmäßig das Internet.
Je nachdem, ob man »nutzen« oder »benutzen« verwendet, werden jedoch unterschiedliche Bedeutungsaspekte betont.
Mit nutzen wird stärker der Aspekt hervorgehoben, dass aus dem Geschehen ein Nutzen/ein Vorteil gezogen wird:
– Er nutzte die Gelegenheit, um sich das geklaute Geld heimlich in die Tasche zu stecken.
In manchen Fügungen ist nur »nutzen«, nicht aber »benutzen« korrekt:
– eine Chance/eine Möglichkeit nutzen.
– Sie nutzte die Gunst der Stunde.
Benutzen wird dagegen vor allem verwendet, wenn es im Sinne von Gebrauch machen [von etwas] steht.
– Polizisten werden darin geschult, möglichst nicht ihre Waffe zu benutzen.
In Bezug auf Personen kann stets nur »benutzen«, niemals aber »nutzen« stehen:
– Er hatte seinen besten Freund dazu benutzt, an das Vermögen heranzukommen.

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nụt|zen 〈V.; hat; bes. norddt.〉 oV 〈bes. süddt., österr., schweiz.〉 nützen
I 〈V. intr.〉 ein Ziel zu erreichen helfen, Vorteil bringen ● ich freue mich, wenn ich Ihnen, wenn Ihnen das Buch etwas \nutzen kann; es nutzt nichts es hilft nichts, es hat keinen Zweck, bringt keinen Vorteil; das nutzt mir viel, wenig, nichts; zu etwas \nutzen; wem nutzt du damit?; wozu soll das \nutzen ?
II 〈V. tr.〉 etwas \nutzen ausnutzen, Vorteil ziehen aus, vorteilhaft gebrauchen ● den Augenblick, die Gelegenheit \nutzen; Bodenschätze \nutzen; ich will die Zeit noch \nutzen, um noch etwas sehr Dringliches, Wichtiges zu erledigen
[→ Nutzen]

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nụt|zen [mhd. nutzen, ahd. nuzzōn, zu: nuzza, Nebenf. von: nuz, ahd. nuz(za), verw. mit genießen], nụ̈t|zen [mhd. nützen, ahd. nuzzen] <sw. V.; hat:
1. (meist: nützen) bei etw. von Nutzen sein; für die Erreichung eines Ziels geeignet sein; [jmdm.] einen Vorteil, Erfolg, Nutzen bringen, sich zugunsten von jmdm., seiner Unternehmungen o. Ä. auswirken:
das Mittel nützt gar nichts;
dein Leugnen nützt jetzt auch nichts mehr;
alle Vorsicht hat nichts genützt (war umsonst);
es nützt alles nichts (ugs.; man kann nicht länger zögern, ausweichen), die Sache muss jetzt angepackt werden;
das nützt niemandem;
seine Sprachkenntnisse haben ihm sehr genützt.
2. (meist: nutzen)
a) nutzbringend, zu seinem Nutzen verwerten; aus etw. durch entsprechende Anwendung od. Verwertung Nutzen ziehen:
etw. industriell, landwirtschaftlich n.;
b) von einer bestehenden Möglichkeit Gebrauch machen, sie ausnutzen, sich zunutze machen; etw. zu einem bestimmten Zweck benutzen, verwenden:
einen Vorteil geschickt nutzen;
die Gunst der Stunde nutzen;
er nutzt jede freie Minute zum Training;
sie nutzt jede Gelegenheit, sich hervorzutun.

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Nutzen,
 
1) grafische Technik: 1) in der Reproduktionstechnik mehrfach angefertigte Negative oder Diapositive, zur Herstellung einer Druckform, um die für die festgelegte Auflagenhöhe erforderliche Druckanzahl zu reduzieren; 2) im Auflagendruck die aus einem Druckbogen nach dem Druck und dem Durchschneiden sich ergebenden Einzelexemplare; 3) ein Stück Papier, Pappe, Gewebe oder Ähnliches in beliebiger Größe, das aus einem größeren Stück herausgeschnitten wurde.
 
 2) Volkswirtschaftslehre: die auf der subjektiven Werteinschätzung beruhende Eigenschaft eines Gutes, zur Bedürfnisbefriedigung eines Wirtschaftssubjektes beizutragen; mit Nutzen wird sowohl diese Eigenschaft selbst als auch das Ausmaß der Bedürfnisbefriedigung bezeichnet. Der Wert eines Gutes gibt den Grad der Bedeutung dieses Gutes zur Erfüllung eines Zweckes an. Für Konsumenten sind Güter Mittel zur Bedürfnisbefriedigung, für Produzenten Mittel zur Gewinnerzielung. Die Frage nach dem Wert, den z. B. ein Konsument einem Gut beimisst, ist zugleich die Frage nach dem Höchstbetrag der Gegenleistung (Menge eines anderen Gutes oder Geldbetrag), die er als Nachfrager für das Gut zu bieten bereit ist (Beschaffungspreisobergrenze), und nach dem Mindestbetrag der Gegenleistung, für den der Produzent als Anbieter das Gut abzugeben bereit ist (Abgabepreisuntergrenze). Für die Bewertung einer bestimmten Menge eines Gutes ist der Nutzen maßgebend, den das Wirtschaftssubjekt von der letzten Einheit dieser Gütermenge erhält (Grenznutzen).
 
Verzichtet z. B. ein Konsument auf diese Mengeneinheit, ist sein Wohlbefinden (»Nutzenniveau«, Grad der Bedürfnisbefriedigung) geringer als ohne diesen Verzicht. Diese Nutzeneinbuße entspricht dem »Gebrauchswert«, den der Konsument »rein subjektiv« dieser Mengeneinheit beimisst; mangels brauchbarer Maßstäbe kann sie nicht genau gemessen werden. Die Abgabepreisuntergrenze für die Mengeneinheit wird nicht nur vom Ausmaß dieser subjektiv determinierten Nutzeneinbuße bestimmt, sondern auch ganz entscheidend davon, welche Möglichkeiten der Konsument in der betrachteten Situation tatsächlich hat, durch Beschaffung anderer Güter diese Nutzeneinbuße auszugleichen, z. B. durch Beschaffung und Verwendung von zwei Mengeneinheiten eines anderen Gutes. Je zahlreicher, je besser und je billiger die für den Konsumenten tatsächlich erreichbaren Ersatzgüter sind, umso geringer ist der Wert der Mengeneinheit für den Konsumenten. (Entsprechendes gilt für die Bestimmung der Werte von Produktionsgütern für Produzenten.) Der Wert eines Gutes ist also keine dem Gut innewohnende Eigenschaft (»objektiver« Wert) und auch keine Größe, die einem Gut wegen seiner physikalisch-technischen Beschaffenheit zukommt. Der Wert ist aber auch nie allein das Ergebnis einer »rein subjektiven« Nutzenschätzung des Gutes (»Gebrauchswert«) durch ein Wirtschaftssubjekt im Sinne einer isolierten Beziehung zwischen ihm und dem Gut. Für ein Wirtschaftssubjekt kann der Wert eines Gutes variieren, wenn sich das Feld seiner tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten ändert, ohne dass sich seine subjektive Wertschätzung verändert.
 
Im Gegensatz zum »objektiven Wert« gibt es beim subjektiven Wert das Problem der Messbarkeit des Nutzens. Während die Grenznutzenschule von der kardinalen Messbarkeit ausgegangen ist, hält die besonders von V. Pareto vertretene moderne Nutzentheorie den Nutzen allenfalls für ordinal vergleichbar: Ein Konsument kann ein Güterbündel jeweils nur danach einordnen, ob es in Bezug auf ein anderes gleich viel, mehr oder weniger Nutzen stiftet. Eine (kardinale) Nutzenfunktion gibt die Abhängigkeit des Gesamtnutzens von der Menge der Güter wieder. Die ordinale Nutzentheorie geht von einer Nutzenindexfunktion (Nutzenmöglichkeitsfunktion) aus: Die Funktionswerte sind Nutzenindizes, die die Rangfolge von Nutzenniveaus anzeigen (Indifferenzkurve). In der Haushaltstheorie wird unterstellt, dass die Konsumenten in ihrem Nachfrageverhalten nach dem größtmöglichen Nutzen (Nutzenmaximum) streben. (Haushalt)

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Nụt|zen, der; -s [aus älterem, stark gebeugtem Nutz (↑Nutz) unter Einfluss des schwach gebeugten frühnhd. Nutze, mhd. nutze]: Vorteil, Gewinn, Ertrag, den man von einer Tätigkeit, dem Gebrauch von etw., der Anwendung eines Könnens o. Ä. hat: ein großer, kleiner, geringer, allgemeiner, bedeutender N.; der praktische N. bei dieser Sache ist unbedeutend; Der unmittelbar volkswirtschaftliche N. sei mit gut 85 000 Mark zu veranschlagen (NNN 25. 8. 89, 6); [keinen] N. von etw. haben; die Sache bringt wenig N.; Dass die Arbeit, die wir machen, nicht für die Katz ist, dass sie uns einen N. bringen soll, das gefällt mir (Kühn, Zeit 55); welchen N. versprecht ihr euch davon?; N. von etw. haben; seinen N. (Vorteil) überall suchen; aus etw. N. ziehen; etw. mit N. (mit Gewinn) wieder verkaufen; es wäre von N. (nützlich, hilfreich, vorteilhaft), wenn du dabei wärst.

Universal-Lexikon. 2012.